Für gesunde Menschen ist das Schlucken genauso selbstverständlich wie das Atmen. Niemand denkt darüber nach und üblicherweise bereitet es auch keine Probleme. Für die meisten ist das absolut normal, Patienten mit einer Schluckstörung hingegen haben Einschränkungen beim Essen und Trinken. Mitunter geht ein großes Stück an Lebensqualität verloren, schlimmstenfalls kommt es zu lebensbedrohlichen Komplikationen. Wie es zu Schluckstörungen kommt und wie Betroffene damit umgehen können, verraten die folgenden Tipps.

Was ist eine Schluckstörung, wie kommt es dazu und wie äußert sie sich?

Bei einer Dysphagie handelt es sich um eine Störung beim Herunterschlucken von Nahrung und Flüssigkeit, die keine Schmerzen verursacht. Entsprechend dem jeweiligen Schweregrad kann sie die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme erschweren oder sie sogar komplett unmöglich machen.

Am Schluckvorgang sind generell viele Organe und Muskeln beteiligt. Dazu gehören Lippen, Zunge, Gaumen, Kiefer, Kehlkopf sowie Speiseröhren-Schließmuskel. Nur wenn diese richtig zusammenarbeiten, ist ein reibungsloses Schlucken möglich.

Typische Risikofaktoren für die Entwicklung einer Schluckstörung sind

• Fehlbildungen sowie Erkrankungen im Mundraum oder an der Speiseröhre (z. B. Infektionen, Entzündungen, Tumore)
• Schlaganfall oder andere neurologische Erkrankungen wie Parkinson, MS, ALS, Schädel-Hirn-Trauma)
• Demenz
• Alter ab etwa 60 Jahren

Schluckstörungen treten im Alter vermehrt aufGerade im Alter sind Schluckstörungen nicht selten. Denn wie alle anderen Vorgänge im Körper, altert auch das Schlucksystem. Ältere Menschen verlieren häufig ihren Geschmacks- und Geruchssinn, haben weniger Durst und somit häufig auch trockener Schleimhäute. Durch mögliche zusätzliche Medikamente kann die Speichelproduktion gedämpft sein, Berührungswahrnehmungen im Mund und die daraus resultierenden Reflexe gehen zurück. Zudem werden die Bewegungen von Lippen und auch Mund ungenauer, auch die Kiefergelenke werden meist steifer. Dadurch wird das Kauen und Schlucken natürlich erschwert. In der Folge kommt es zu einer Unterernährung, durch welche wiederum die altersbedingt schon reduzierte Muskelkraft weiter geschwächt wird. Ein Teufelskreis entsteht, denn daraus resultiert, dass noch weniger geschluckt werden kann. Auch der schlechter werdende Zahnstatus (z. B. fehlende Zähne, schlecht sitzender Zahnersatz) beeinträchtigt das Kauen und Schlucken.

Charakteristische Anzeichen für eine Schluckstörung im Alter sehen wie folgt aus:

• sehr langsames Schlucken und lange Verweildauer der Nahrung im Mund
• Räuspern und Husten beim Verzehr von Nahrung und Getränken
• Gefühl des berühmten „Kloßes im Hals“
• Kauprobleme, Probleme bei der Nahrungszerkleinerung, im Mundraum bleiben Speisereste zurück
• Gefühl des Erstickens, Würgereflex bis hin zum Erbrechen
• übermäßiger Speichelfluss
• nasale Stimme und Heiserkeit
• unbeabsichtigtes Einatmen oder Verschlucken von Nahrung und Flüssigkeit (so genannte Aspiration)
• verzögerter Schluckreflex
• ungewollter Gewichtsverlusst
• Ess- und Trinkschwierigkeiten, teilweise auch ausbleibende Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme
Tipps zum Umgang mit einer Schluckstörung im Alter

Gerade ältere Patienten mit Schluckstörung sollten bei der Nahrungsaufnahme bestmöglich unterstützt werden. Neben verschiedenen Hilfsmitteln zur Erleichterung der Nahrungsaufnahme gibt es auch einige medizinische Behandlungsmaßnahmen.

1. Training von Muskulatur und Organen

Ein gezieltes Training aller Muskeln und Organe, welche für das Schlucken notwendig sind, kann die Nahrungsaufnahme erleichtert werden. Vor allem bei neurogenen Schluckstörungen kann ein solches Training sinnvoll sein. In dem Training erlernen Patienten gezielte motorische Schluckübungen (z. B. Übung von Schluck-, Husten- und Würgereflex), wodurch die Funktionsfähigkeit der Nahrungsaufnahme wieder hergestellt wird.

Bereits mit Lippen- und Zungenübungen (z. B. breites Lächeln mit geschlossenen Lippen, Spitzen der Lippen, Herausstrecken der Zunge, Bewegungen der Zunge am Gaumen) kann die Mundmotorik gefördert werden.

2. Erlernen einer bewussten Körper- und Kopfhaltung

Wird die Körper- und Kopfhaltung beim Essen gezielt geändert, kann dies zu Verbesserungen beim Schlucken beitragen. Spezielle Übungen (z. B. Anheben des Kopfes im Liegen) können den Kehlkopf kräftigen. Wird der Kopf beim Schlucken nach vorn gebeugt, gelangen keine Essens- und Trinkreste in die Atemwege. Bestimmte Techniken können außerdem zum Schutz der Atemwege beim Schlucken helfen.

3. Schluckstörungen mit Logopädie verbessern

Die bereits genannten Trainingsmöglichkeiten können mit Hilfe der Logopädie gut unterstützt werden.

4. Wärme- und Massage-Therapie bei verspannungsbedingten Problemen

Wurden die Schluckstörungen durch Verspannungen ausgelöst, können Massagen sowie eine Wärmebehandlung hilfreich sein.

5. Trinknahrung bei größeren Problemen

Bei Schluckstörungen kann spezielle Trinknahrung die Nahrungsaufnahme deutlich erleichtern. Patienten werden vollwertig und nährstoffreich versorgt, Trinknahrung ist in verschiedenen Geschmacksrichtungen erhältlich und kann sogar vom Arzt verschrieben werden.

6. Bei schweren Störungen klinische Sonden notwendig

Ist die Dysphagie mäßig bis schwer ausgeprägt oder eine orale Nahrungsaufnahme unmöglich, dann bleiben als letzte Option klinische Sonden. Dabei wird Zusatznahrung über eine so genannte nasogastrale Sonde (über die Nase) zugeführt. Mittels PEG (Magensonde) kann zudem kalorienreiche Spezialnahrung durch die Bauchhaut zugeführt werden. Sondenernährung ist auch in häuslicher Umgebung im Rahmen von ambulanter Pflege anwendbar.

7. In Einzelfällen sind operative Eingriffe das letzte Mittel der Wahl

Je nach individueller Situation des Patienten kann im Einzelfall auch ein Luftröhrenschnitt sowie das Legen einer Kanüle zum künstlichen Luftröhrenverschluss notwendig werden.

Die Ernährung bei Schluckstörungen – Tipps für die Nahrungsaufnahme

Liegt eine Schluckstörung vor, dann müssen bei der Nahrungsaufnahme besondere Anforderungen bedacht werden. Das Essen und Trinken muss den Betroffenen so leicht wie möglich gemacht werden, eine Veränderung der Nahrungskonsistenz kann sich als sinnvoll erweisen.

1. Pürieren von fester Nahrung

Eine der standardmäßigen Empfehlungen bei Dysphagie ist das Pürieren von fester Nahrung und die Umstellung auf weiche Nahrungsmittel.

2. Andicken von Flüssigkeiten

Auch das Andicken von Flüssigkeiten hat sich inzwischen bewährt. Das Risiko für Aspiration (also für das Einatmen/Verschlucken von Nahrung und Flüssigkeit in die Lunge) wird somit verringert.

3. Keine großen Portionen

Die Konsistenz ist eine Seite, doch auch die Menge spielt eine nicht unerhebliche Rolle. Generell gelten kleinere Mengen als wesentlich besser verträglich.

4. Erleichterung der Nahrungsaufnahme durch Esshilfen und Trinkbecher

Mit Hilfe von Trinkbechern oder anderen Esshilfen lässt sich die Nahrungsaufnahme vor allem im Rahmen der Akutbehandlung deutlich erleichtern.

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