Die Alzheimer-Krankheit stellt als häufigste Form der Demenz eine Erkrankung des Gehirns dar, die derzeit nicht heilbar ist. Hauptsächlich altersbedingt wird die Hirnleistungsfähigkeit durch einen fortschreitenden Funktionsausfall der Nervenzellen eingeschränkt. Aufgrund der geschädigten Nervenzellen, insbesondere in der Hirnrinde (Cortex) schrumpft das Gehirn. Dieser Prozess verursacht zunehmend Auswirkungen auf das Alltagsleben. Diese können individuell verschieden sein. Die Betroffenen benötigen in den späteren Stadien gemäß dem jeweiligen Beschwerdebild Unterstützung. Neben der altersbedingten Alzheimer-Krankheit, könnten bei etwa 1 bis 2 Prozent der Erkrankten genetische Ursachen vorliegen. Anders als bei der sporadischen Alzheimer-Krankheit, die durch Verschleißerscheinungen des Gehirns im Alter auftritt, sind erblich bedingte Krankheitsformen bereits vor dem 60. Lebensjahr zu erkennen. Die wichtigsten Unterscheidungskriterien im Kurzüberblick:

Die altersbedingte Alzheimer-Erkrankung:

  • Betrifft 98 bis 99 Prozent aller Erkrankungsfälle
  • Beginn der Erkrankung erst ab 65 Jahren
  • Altersbedingter Verschleiß des Gehirns ist der wichtigste Risikofaktor
  • Genetische Faktoren haben nur einen geringen Einfluss

Die vererbbare Alzheimer-Erkrankung:

  • Kommt nur in 1 bis 2 Prozent aller Fälle vor
  • Frühes Auftreten der Erkrankung im Alter zwischen 30 und 65 Jahren
  • Auslösende Gene: APP (Chromosom 21), Presenilin-1 (Chromosom 14) sowie Presenilin-2 (Chromosom 1)
  • Autosomal-dominante Vererbung: Das Erben einer Kopie eines veränderten Gens bewirkt die Übertragung einer Erkrankung oder Störung mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent
  • Betroffene mit drei verantwortlichen Genen erkranken in jedem Fall an Alzheimer

Veränderungen des Gehirns und Krankheitsverlauf beider Erkrankungsformen

Durch spezielle Eiweißablagerungen wird die notwendige Versorgung der Gehirnzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen reduziert. Bei der Alzheimer-Erkrankung sind insbesondere Nervenzellen betroffen, die den Neurotransmitter (Botenstoff) Acetylcholin herstellen. Dieser chemische Botenstoff ist ein umgewandelter elektrischer Impuls, der Informationen von Nervenzellen enthält. Diese sollen über den Botenstoff weitertransportiert werden. Dabei handelt es sich um Denk- und Lernvorgänge, Erinnerungen sowie das Orientierungsvermögen. Diese Weiterleitung von Informationen wird bei einer Alzheimererkrankung gestört. Die Erkrankung macht sich zunehmend durch typische Symptome bemerkbar. Hierzu zählen:

Räumliche und zeitliche Orientierungsschwierigkeiten:

Eine Rückkehr zur Wohnung bereitet ebenso Probleme wie das Suchen nach nahegelegenen bekannten Zielen

Sprachstörungen:

Während des Sprechens finden durch die offensichtliche Suche nach Wörtern häufig unnatürliche Pausen statt.

Störungen des Denk-, Urteils- und Erinnerungsvermögensvermögens:

Immer häufigeres Vergessen von Terminen, Namen oder Telefonnummern. Verlegte wichtige Gegenstände wie Geldbörse, Schlüssel oder Brille werden nur noch durch Zufall wiedergefunden. Das Lösen einfacher Rechenaufgaben sorgt für Probleme

Stimmungsschwankungen:

Wechselweise kann es zu depressivem und aggressivem Verhalten kommen

Antriebslosigkeit:

Das Interesse an vielen Themen oder Aufgaben geht zunehmend verloren. Die Passivität nimmt im Alltag immer mehr zu

Persönlichkeitsveränderungen:

Misstrauen gegenüber nahestehenden Personen und unbegründete Ängste entwickeln sich, weil sich die Persönlichkeit verändert

Die Alzheimer-Erkrankung verläuft in drei Phasen, die gemäß der Schwere der Erkrankung unterteilt sind:

Leichtgradige Alzheimer-Demenz

Zum Erkrankungsbeginn bereitet dem Patienten das Kurzzeitgedächtnis Probleme. Gesprächsinhalte kann er sich immer schwerer merken. Zur nachlassenden Merkfähigkeit kommen Orientierungsschwierigkeiten hinzu. Wortfindungsstörungen irritieren Gesprächspartner. Erste Peinlichkeiten entstehen. Zunächst werden die Probleme vom Betroffenen der normalen Altersentwicklung zurechnet. Das Bewusstsein, möglicherweise von einer Alzheimer-Erkrankung betroffen zu sein, verwirrt den Erkrankten zusätzlich. Er hat das Verlangen, sich zurückzuziehen. Eine Betreuung ist noch nicht erforderlich.

Mittelschwere Alzheimer-Demenz

Das Nachlassen der Gedächtnis-, Denk- und Orientierungsfähigkeit führt zu starken Problemen in der Alltagsbewältigung und erfordert Unterstützung. Eine selbstständige Lebensführung ist durch den Betroffenen nicht mehr möglich. Sogar einfache Tätigkeiten wie Einkaufen und Körperpflege sind kaum noch möglich. Vergesslichkeit führt zu Gefahren. Innere Unruhe kann hyperaktives Verhalten bewirken. Es kann zu Wahnvorstellungen kommen.

Schwere Alzheimer-Demenz

Im fortgeschrittenen Stadium tritt ein umfassender Verlust der geistigen Fähigkeiten ein. Anstelle von Sätzen können nur noch Worte geäußert werden. Der Erkrankte ist vollständig auf Hilfe angewiesen. Es kommt zu einem starken Mobilitätsverlust. Die Bettlägerigkeit nimmt zu und die Kontrolle über Stuhl und Urin geht verloren. In den meisten Fällen ist der Patient auf einen Rollstuhl angewiesen. Zusätzliche Beschwerden wie Schluckstörungen oder steife Gliedmaßen stellen sich ein. Es können Krämpfe auftreten. Die gesamte gesundheitliche Verfassung verschlechtert sich.

Ein Verwandter ersten Grades trägt ein vierfach höheres Erkrankungsrisiko

Betroffen sind von einer vererbbare Alzheimer-Erkrankung hauptsächlich Verwandte ersten Grades. Gemessen am bundesweiten Bevölkerungsdurchschnitt ist das Risiko eines Verwandten ersten Grades vierfach erhöht. Verwandte zweiten Grades tragen immerhin noch ein doppelt so großes Erkrankungsrisiko. Sind im engeren Verwandtenkreis mehrere Alzheimer-Erkrankungen aufgetreten, erhöht sich das Risiko. Eine Erhöhung des Risikos gilt außerdem bei einem sehr frühen Krankheitsbeginn der verwandtschaftlichen Bezugsperson.

Umwelteinflüsse und besonders der persönliche Lebensstil gelten als zusätzliche Risikofaktoren für die Entstehung einer Alzheimer-Erkrankung. Dazu zählt der übermäßige Konsum von Genussgiften, erhebliches Übergewicht in Verbindung mit mangelnder Bewegung und oxidativer Stress. Ebenso können Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2, Arteriosklerose und ein dauerhafter Bluthochdruck das Alzheimer-Risiko erhöhen. Schädliche Auswirkungen auf die Blutgefäße sollten daher vermieden werden. Eine frühe Diagnose der nicht heilbaren Erkrankung ist hilfreich. Insbesondere in den frühen Stadien der Erkrankung können die Symptome durch spezielle Medikamente gelindert werden. Außerdem kann die Lebensqualität des Betroffenen durch eine passende Betreuung gefördert werden.