In den letzten Jahren hat sich die Bevölkerungsstruktur in den westlichen Ländern wesentlich verändert. Durch die moderne Medizin werden Menschen immer älter, es gibt also immer mehr Senioren, gleichzeitig gibt es die Lebensform der Großfamilie kaum noch. Aufgrund dessen hat sich langsam eine neue Art des Zusammenlebens entwickelt: Senioren-Wohngemeinschaften (WGs). Was für Studenten längst Alltag ist, wirkt auf viele ältere Menschen noch befremdlich. Dabei haben diese WGs durchaus ihre Pluspunkte. In diesem Artikel zeigen wir die Vorteile dieser Wohnform sowie einige Beispiele aus Deutschland und Österreich.

Wohngemeinschaften als attraktive Alternativen

Viele ältere Menschen fühlen sich einsam. Sie sind verwitwet, die Kinder leben längst allein mit ihren eigenen Familien und unter Leute kommt man so auch nicht mehr ganz so einfach. Außerdem lässt mit dem Alter die Mobilität langsam nach und man verbringt die Zeit mehr oder weniger nur zuhause. Einsamkeit führt bei vielen Menschen sogar zu Depressionen. Wohngemeinschaften sollen hier Abhilfe schaffen. Senioren sollen hierbei zwar ihr eigenes Reich und ihre Privatsphäre in Form eines eigenen Zimmers behalten, aber dennoch die Möglichkeit haben, ihre Freizeit in Gesellschaft mit anderen älteren Menschen in einer ähnlichen Situation zu verbringen.

Das Zusammenleben mit anderen verhindert nicht nur Einsamkeitsgefühle, sondern hat auch eine aktivierende Wirkung auf Körper und Geist. Gemeinsame Aktivitäten fördern die Mobilität und der Austausch mit anderen Senioren sorgen für Inspiration und einen wachen, offenen Geist.

Gruppe von Senioren stehen im Kreis, umarmen sich und lachenEin positiver Nebeneffekt ist darüber hinaus die Kostenteilung – Wohnen in einer Wohngemeinschaft ist in aller Regel günstiger als eine eigene Wohnung.

Eine Senioren-Wohngemeinschaft kann zunächst privat gegründet werden. Wie in Studentenkreisen können sich mehrere ältere Menschen zusammentun und eine WG – geeignete Wohnung oder ein Haus suchen. Auf diese Weise hat man zwar viele Freiheiten und Spielraum, allerdings ist das Ganze auch ein schwieriges Unterfangen. Passende Objekte sind nicht einfach zu finden, ebenso ist die Suche nach Mitbewohnern mitunter mühsam. Außerdem ist man für sein eigenes Projekt auch ganz allein verantwortlich.

Aber es gibt auch institutionell organisierte Gemeinschaften. Diese bieten neben den Räumlichkeiten zum Teil auch Heimhilfen oder mobile Pflege für gering Pflegebedürftige. So sind die Bewohner nicht nur in einer Gesellschaft untergebracht, sondern werden auch medizinisch und sozial versorgt.

Eine andere beliebte Form des Wohnens stellen Mehrgenerationenhäuser dar. Wie der Name schon sagt, leben Menschen verschiedener Generationen in diesen Häusern zusammen. Senioren finden hier eine Art Familienanschluss, während sie für junge Familien ein Großelternersatz sein können. Somit profitieren alle Altersgruppen von dieser Wohnsituation. Dieses Modell erinnert an die früher übliche Großfamilie, die zusammen unter einem Dach gelebt hat.

Anforderungen und Förderungen

Ältere Menschen haben besondere Bedürfnisse. Ein passender Wohnraum sollte barrierefrei sein und in einer Gegend mit guter Infrastruktur liegen, damit die alltäglichen Wege wie Einkäufe oder Arztbesuche leichter zu bewältigen sind. Zu empfehlen sind außerdem Grünanlagen in Form von eigenen Gärten oder naheliegenden Parks sowie kulturelle und institutionelle Angebote im näheren Umkreis. Ideal sind Häuser und Wohnungen, in denen zwar jeder Bewohner sein eigenes Zimmer hat, es aber auch einen Gemeinschaftsraum wie eine große Wohnküche gibt.

Entsprechende Einrichtungen werden inzwischen auch staatlich gefördert und rechtlich anerkannt. In Deutschland gibt es beispielsweise den Wohngruppenzuschlag der Pflegekasse. Auch Umbaumaßnahmen, um vorhandene Objekte seniorengerecht zu gestalten, werden zum Teil finanziell unterstützt.