Jährlich gibt es in Deutschland rund 260.000 Schlaganfallpatienten. Man unterscheidet zwischen zwei Formen von Schlaganfällen: ischämischen und hämorrhagischen Schlaganfällen.

Der ischämische Schlaganfall wird auch Hirninfarkt genannt. Der Auslöser ist der Verschluss eines Blutgefäßes. Es kommt zu einer Unterversorgung mit sauerstoffreichem Blut. Die betroffene Gehirnregion stirbt sofort ab und es bilden sich Narben im Gewebe.

Bei einem hämorrhagischen Schlaganfall zerplatzt ein Blutgefäß im Gehirn. Die betroffene Gehirnregion wird nicht länger ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Zusätzlich tritt Blut aus dem verletzten Gefäß aus und drückt auf die umliegenden Nervenzellen.

Häufige Folgeerscheinungen beider Formen des Schlaganfalls sind:

  • eingeschränkte Mobilität
  • Sprachstörungen
  • Lähmung
  • Tod

Von einem Tag auf den anderen können Betroffene den rechten Arm nicht mehr bewegen oder die Namen Ihrer Kinder nicht aussprechen. Dies löst selbst in einem ansonsten emotional gesunden Menschen Niedergeschlagenheit aus. Depressionen und Niedergeschlagenheit sind jedoch nicht dasselbe. Depressionen nach einem Schlaganfall sind eine psychische Störung, Niedergeschlagenheit ein momentaner Gefühlszustand.

Depressionen und ihre Symptome

Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen in Deutschland. Etwa 5 % der Bevölkerung sind davon betroffen. Frauen erkranken häufiger an Depressionen als Männer. Die Symptome sind vielzählig und nicht immer alle im gleichen Ausmaß vorhanden.

Roentgenbild eines Gehirns nach einem Schlaganfall
  • Antriebslosigkeit
  • Traurigkeit
  • Interessensverlust
  • Schlaflosigkeit
  • Appetitstörungen
  • Suizidgedanken

Nach einem Schlaganfall ist eine gewisse Niedergeschlagenheit normal und kein Grund zur Sorge.

Man beginnt erst von einer Post-Stroke-Depression (PSD) zu sprechen, wenn folgende Kriterien zusammenkommen:

  • Die Symptome treten erstmals nach dem Schlaganfall auf.
  • Die Symptome halten länger als zwei Wochen an.
  • Die Symptome sind unabhängig von der Umgebung (Klinik, Reha-Zentrum, zu Hause) immer vorhanden.

Etwa ein Drittel aller Schlaganfallpatienten erkranken an PSD. Dies ist auch bei der Pflege von Schlaganfallpatienten unbedingt zu berücksichtigen. Die Ursachen für die Depressionen sind noch unbekannt. Stoffwechselstörung im Gehirn könnten eine Rolle spielen, allen voran ein Ungleichgewicht der Botenstoffe Serotonin und Dopamin. Eine ähnliche Störung ist der Grund für die Wochenbettdepression. Genetische Faktoren könnten ebenfalls eine Rolle spielen. Letztlich kann das Trauma eines Schlaganfalls eine reaktionäre Depression auslösen.

Wie behandelt man Depressionen?

Depressionen gehören aufgrund ihrer Häufigkeit zu einer gut untersuchten und gut behandelbaren psychischen Erkrankung. In der Regel zeigt eine multimodale Therapie die größten Erfolgsaussichten. Diese Form der Therapie besteht aus einer medikamentösen Behandlung mit Antidepressiva und einer Gesprächstherapie, Coaching und/oder einer Selbsthilfegruppe.

Zwei Gründe erschweren eine multimodale Therapie bei Schlaganfallpatienten:

  • Viele Betroffene leiden nach einem Schlaganfall an einer Sprachstörung. Bei einer Gesprächstherapie geraten viele Patienten schnell an ihre Grenzen.
  • Ein zweiter Grund gegen eine solche Therapie ist der Einsatz von Antidepressiva, die in Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten stehen (z. B. Blutverdünnern). Dieses Problem konnte aber in den letzten Jahren weitestgehend behoben werden: Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Trizyklische Antidepressiva durchliefen zahlreiche Studien und kommen in Reha-Zentren häufig zur Anwendung.

Multimodale Therapie bei Depressionen nach einem Schlaganfall

Neben einer Gesprächstherapie und einer medikamentösen Behandlung sind vor allem Erfolge bei der Rückgewinnung motorischer und kognitiver Fähigkeiten von Bedeutung. Aufgrund der hohen Rate an Depressionserkrankungen und der emotionalen Belastung einer Therapie hat es sich in Reha-Zentren eingebürgert, Patienten prophylaktisch Antidepressiva zu verabreichen.

Die prophylaktische Anwendung von Antidepressiva dient als Starthilfe, da Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit eine Therapie unmöglich machen. In den meisten Fällen wird nach wenigen Wochen mit der Einnahme wieder aufgehört.

Ausnahmen bilden Patienten mit folgenden „Symptomen“:

  • Die Depressionen wurden nicht rechtzeitig erkannt.
  • Es liegt eine genetische Veranlagung für  Depressionen vor.
  • Die Depressionen traten auch in früheren Lebensstadien auf.
  • Es existieren gleichzeitig andere psychische Erkrankungen.