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Multiple Sklerose: Auswirkungen der Krankheit

Multiple Sklerose, kurz MS, betrifft das zentrale Nervensystem. Die entzündliche Erkrankung ist chronisch und schreitet immer weiter fort. Bei der Multiplen Sklerose können sowohl das gesamte Gehirn als auch das Rückenmark betroffen sein. Aus dem lateinischen Wort für MS „Encephalomyelitis disseminata“ kann die Erkrankung als „verstreute Hirn- und Rückenmarksentzündung“ übersetzt werden.

Verantwortlich für Multiple Sklerose ist das eigene Immunsystem. Teile von Nervenfasern im zentralen Nervensystem werden nach und nach zerstört, so dass das System nicht mehr richtig funktioniert. Impulse können nicht mehr weitergeleitet werden, Nervenzellen und ganze Nervenfasern können absterben.

Die Folge sind Koordinationsstörungen der Sinnessignale, der Muskeln sowie Lähmungserscheinungen. Die Auswirkungen von Multiple Sklerose sind vielseitig.

MS – eine Krankheit mit vielen Gesichtern

MS kann einen Menschen vollkommen verändern – sowohl körperlich, als auch psychisch. Die Symptome und Auswirkungen können dabei von Patient zu Patient ganz unterschiedlich verlaufen. In der Regel kommt es zufällig und zusammenhanglos, sozusagen aus dem Nichts, zu vereinzelten Symptomen. Unterschieden werden können die Auswirkungen in sichtbare und unsichtbare:

Mann im Rollstuhl mit Multipler Sklerose

Sichtbare Auswirkungen von Multipler Sklerose

Ungefähr 90 % der MS-Patienten leiden an Störungen des Bewegungsapparates. Diese Störungen kommen in der Regel vom Rückenmark und betreffen meistens die Arm- und Beinmuskulatur. Wenn Nerven im Rückenmark geschädigt sind, kommt es zu Schwäche- und Schweregefühlen in den Gliedmaßen oder zu Lähmungserscheinungen. Typisch für Multiple Sklerose sind Spastiken, krampfartige Muskelkontraktionen, die zu Steifigkeit und Muskelspannungen führen und sehr schmerzhaft sein können.

Tremore gehören dazu. Ein Tremor bezeichnet das unkontrollierbare Zucken oder Zittern von Gliedmaßen, oft in Kombination mit Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen. Nicht selten kommt es zur Kombination verschiedener Bewegungsstörungen.

Sehstörungen entstehen durch die Entzündung des Sehnervs und zeigen sich in Form von unscharfem Sehen, Sehverlust oder einem Schleier-Gefühl vor den Augen. Die Augenmuskulatur arbeitet unkoordiniert, so dass es sogar zu unkontrollierten Bewegungen oder Zittern der Augäpfel kommen kann.

Ebenfalls sicht- beziehungsweise hörbar sind Sprach- und Sprechstörungen. Dazu gehören undeutliches oder verlangsamtes Sprechen, ein veränderter Sprachrhythmus sowie Schluckstörungen während des Sprechens. Diese Auswirkungen kommen von der Störung von Hirnstamm und Kleinhirn. Ebenso sind Wortfindungsstörungen oder unflüssiges Sprechen Auswirkungen der MS.

Unsichtbare Auswirkungen von Multipler Sklerose

Eine deutlich verminderte Leistungsfähigkeit, schnelles Ermüden, Erschöpfungsphasen und chronische Müdigkeit, auch Fatigue genannt, gehören zu den häufigsten unsichtbaren Auswirkungen von MS. Die Belastung nimmt meist nur der Patient wahr, nicht aber seine Außenwelt.

Blasen- und Darmprobleme gehen häufig mit MS einher. Dazu gehören ein vermehrter Harndrang oder Störungen bei der Blasenentleerung sowie Inkontinenz, Infektionen der Harnwege, Verstopfungen und andere Auswirkungen, die nur für den Patienten merkbar sind.

Sehr oft gehen auch Veränderungen der Persönlichkeit mit der Erkrankung einher. Dazu gehören Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisschwäche, sexuelle Funktionsstörungen und Depressionen, die sich nach außen hin deutlich zeigen können. Depressionen kommen häufig daher, dass sich die Patienten mit der Krankheit überfordert fühlen.

Andere, unsichtbare Auswirkungen wie Darmfunktions- oder Blasenfunktionsstörungen beeinflussen den Alltag und das soziale Leben Betroffener, so dass sie sich mehr und mehr zurückziehen. Die immer weiter fortschreitende Erkrankung schränkt zunehmend die Lebensqualität ein.

Das sogenannte Uhthoff-Syndrom ist eine weitere unsichtbare Auswirkung der Erkrankung. Es handelt sich dabei um eine Funktionsstörung der Nerven, die zur Hitzeempfindlichkeit führt. Ungefähr zwei Drittel der MS-Patienten leiden an Gedächtnisproblemen, besonders das Kurzzeitgedächtnis ist betroffen.

Sehr häufig treten Schmerzen auf. Diese können unmittelbar auftreten oder aber als Folge von Infektionen und Entzündungen. Die Schmerzen können verschiedene Körperareale betreffen. Häufig sind: Schmerzen bei der Augenbewegung (Sehnerventzündung), Schmerzen der Haut, Blasenschmerzen (Harnwegsinfekt) und Gelenkschmerzen (Spastiken).

Durch die Veränderung des Nervensystems wird das sexuelle Empfinden beeinträchtigt. Sexuelle Reaktionen können abschwächen. Da sich der Patient durch die Erkrankung körperlich verändert, kann das ebenfalls Folgen für das Sexualleben haben. Diese Auswirkungen der Erkrankung können direkt, indirekt und emotional bedingt auftreten.

Sensibilitätsstörungen gehören zu den häufigsten Auswirkungen von Multipler Sklerose. Diese betreffen vor allem Symptome wie Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühle. Diese Missempfindungen sind vielseitig und können sehr dezent, aber auch sehr intensiv auftreten.

Den Mut nicht verlieren

Es ist unumstritten, dass die Diagnose MS niederschmetternd ist und Ängste hervorruft. Aber nicht jeder MS-Patient benötigt einen Rollstuhl und wird bewegungsunfähig. Eine schwere Behinderung erleiden nur ungefähr 5 % der betroffenen Patienten. Wenn sich die Symptome der Erkrankung über fünf bis zehn Jahre einigermaßen stabil halten, ist die Chance groß, dass die Erkrankung mild verläuft.

Es ist normal, dass sich die Symptome von Multipler Sklerose besonders zu Beginn der Erkrankung häufiger zeigen. Sogenannte Schübe erscheinen noch sehr oft aufzutreten, diese können aber auch schwächer werden. Da sich das Krankheitsbild und die Diagnose selbst auf die Psyche auswirken können, können durch eine frühe Behandlung und Aufklärung Abhilfe geschaffen werden.

Gefühle, Ängste und Sorgen sollten zugelassen und geäußert werden. Patienten sollten lernen, die Krankheit in Angriff zu nehmen und sich dafür Hilfe und Unterstützung von außen, wie von Angehörigen, Freunden und Pflegenden, zu holen.