Gerade ältere Menschen benötigen bei gesundheitlichen Einschränkungen Hilfe im Alltag. Sie möchten so lange wie möglich selbständig bleiben, eine Pflegebedürftigkeit sollte bestenfalls vermieden werden. Eine entsprechende Rehabilitation – unabhängig von überstandener Krankheit oder Operation – kann dazu beitragen, den Pflegefall zu vermeiden. Die Rede ist von der so genannten „geriatrischen Reha“, auf die seit dem Jahr 2007 ein Rechtsanspruch besteht.

Was genau ist eine geriatrische Reha?

Einrichtungen für eine geriatrische Rehabilitation haben eine Ausrichtung auf Patienten mit mehreren Erkrankungen. Sie kann in stationärer, aber auch ambulanter Form stattfinden. Bewilligt wird sie nur, wenn es sich tatsächlich um einen so genannten geriatrischen Patienten handelt.

Doch was ist ein geriatrischer Patient?

Der medizinische Bereich der Geriatrie befasst sich mit Krankheiten, die bei alternden und alten Menschen auftreten können. Dabei ist jedoch nicht jeder ältere Patient auch ein geriatrischer Patient. Nur unter folgenden Voraussetzungen wird ein Patient auch als geriatrisch eingestuft:

• höheres Lebensalter (üblicherweise ab 70 Jahren)
• Mehrfacherkrankungen, die geriatrietypisch sind (mindestens zwei behandlungsbedürftige Krankheiten mit entsprechenden Folgen wie z. B. Neigung zu Stürzen, Immobilität, Schwindel, Inkontinenz, kognitive Defizite, Angststörungen und Depressionen, chronische Schmerzen, starke Sehbehinderung, ausgeprägte Schwerhörigkeit, Gebrechlichkeit)
• altersbedingte Funktionseinschränkungen, die eine Gefahr für den Patienten darstellen
• Vorliegen eines besonders hohen rehabilitativen sowie somatopsychischen und psychosozialen Handlungsbedarfs
• Schwierigkeiten im sozialen Umfeld

Oft ist bei geriatrischen Patienten aufgrund von Mehrfacherkrankungen und möglichen Komplikationen eine akutmedizinische Behandlung und Überwachung in Verbindung mit Reha-Maßnahmen notwendig.

Folgende gesundheitliche Schäden können eine geriatrische Reha notwendig machen:

• Schlaganfall
• Frakturen in der Nähe des Hüftgelenks
• Operationen, bei denen Total-Endoprothesen von Hüfte und Knie eingesetzt werden
• Amputation von Gliedmaßen aufgrund einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit oder auch bei diabetischem Gefäßleiden
Ziele von geriatrischen Reha-Maßnahmen

Zunächst ist es notwendig, die individuelle Situation des betreffenden Patienten durch ein Team aus unterschiedlichen Fachleuten einzuschätzen. Entsprechend dem vorliegenden Bedarf können im Rahmen der geriatrischen Rehabilitation folgende Maßnahmen ergriffen werden, um Pflegebedürftigkeit zu vermeiden:

• eine kontinuierliche Diagnostik, Behandlung und Teamführung durch einen Arzt
• Schwerpunkt liegt auf einer aktivierend-therapeutischen Pflege
• Behandlung auf (neuro-)psychologischer und auch psychotherapeutischer Ebene
• Krankengymnastik sowie Bewegungs- und Ergotherapie für eine bessere Motorik
• Logopädie
• soziale Beratung

Die genannten Maßnahmen in der geriatrischen Rehabilitation sollen dazu beitragen, dass auch ältere Menschen trotz bestehender Erkrankungen und daraus resultierender Einschränkungen so selbständig wie möglich werden oder bleiben.

Klassische Ziele der geriatrischen Rehabilitation sind dabei

• die selbständige Nahrungsaufnahme
• selbständiges An- und Ausziehen
• Bett-Stuhl-Transfer
• Erreichung der Gehfähigkeit innerhalb und auch außerhalb der eigenen vier Wände
• Schaffung einer Tagesstruktur

Wodurch zeichnet sich die geriatrische Rehabilitation aus?

Rehabilitation kann die Selbständigkeit der Betroffenen verbessern bzw. wiederherstelllenNeben der Versorgung von konkreten gesundheitlichen Problemen erfolgt im Rahmen der geriatrischen Rehabilitation eine umfassende Betreuung, Schulung und ein Training der Patienten. Einbezogen werden zudem auch Angehörige. Über die geriatrische Reha werden weiterhin auch Hilfen organisiert, die in der Zeit nach der Entlassung für Patienten als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Geriatrische Rehabilitationseinrichtungen arbeiten zur Sicherstellung all dieser Maßnahmen eng mit anderen Fachrichtungen zusammen. Es werden Ärzte, Pfleger, Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden, Psychologen und auch Sozialarbeiter tätig.

Da alle ergriffenen Maßnahmen dem Ziel dienen, den Alltag auch im Alter möglichst selbständig und bestenfalls zu Hause und ohne viel Pflege zu meistern, gilt die geriatrische Rehabilitation für sehr viele Menschen als Chance auf ein erfülltes sowie selbstbestimmtes Leben im Alter.

Das können Angehörige tun

Bislang ist die geriatrische Reha trotz Rechtsanspruch seit 2007 noch weitgehend unbekannt und wird auch nicht in jedem Bundesland angeboten. Meist wird eine solche Reha aufgrund der hohen Kosten auch von der Krankenkasse abgelehnt, alternativ erfolgt eine Umleitung in eine indikationsspezifische und günstigere Reha. Hinzu kommt, dass auch viele Ärzte ihre Patienten nur in eine klassische Reha vermitteln, ohne auf Alter und mögliche Vorerkrankungen zu achten.

Es bedarf also einer hohen Eigeninitiative und einem langen Atem, um eine geriatrische Reha verordnet und genehmigt zu bekommen. Und hier kommen die Angehörigen ins Spiel.
Gerade ältere und schwache Menschen sind von der Gesamtsituation häufig sehr überfordert. Sofern die Voraussetzungen für eine geriatrische Reha gegeben sind, sollten Angehörige den Anspruch durchsetzen.